Foto: Johannes Lange Historische Aufnahme des Schlosses

Blick in den französischen Fluchttunnel unter der Kapelle

Der Nachbau des Colditz-Gleiters startete 2012 vom Dach des Kellerhauses

Geschichte
1.000 Jahre Schlossgeschichte

Die Burg im Mittelalter

Die Burg Colditz wurde zum ersten Mal 1046 in einer Heiratsurkunde erwähnt. Der deutsche König Heinrich III. schenkte sie seiner Frau Agnes von Poitou. Ihr Sohn wiederum, übereignete dem Grafen Wiprecht von Groitzsch die Burg Colditz für seine langjährige Unterstützung. Später übergaben die deutsche Königsfamilie die Burg Colditz an den Dienstmann Thimo I. von Colditz, welcher die Aufgabe hatte die Burg zu verwalten. Von ihm entstammt die Adelsfamilie von Colditz.

1404 musste die Familie von Colditz ihr Gebiet an die Markgrafen von Meißen und späteren Kurfürsten von Sachsen, den Wettinern, abgeben. Die Wettiner Kurfürstinnen und Kurfürsten nutzten das Schloss als Witwensitz und Jagdschloss. 1430 und 1504 stehen die Stadt und das Schloss in Flammen. Die Feuer zerstören Teile des Schlosses.

Jagdschloss und Witwensitz

1506 ließ Kurfürst Friedrich der Weise das Schloss im Stil der Renaissance wieder aufbauen. Der Künstler Lucas Cranach der Ältere stattete das Schloss mit Gemälden aus und entwarf die Inneneinrichtung. Friedrich ließ außerdem 1523 den Colditzer Tiergarten als sein persönliches Jagdgebiet und Schlosspark anlegen.

Nach seinem Tod 1525 wurde das Schloss oft nach Belieben der wechselnden Schlossdamen und Schlossherren umgestaltet. So entstanden über das nächste Jahrhundert prächtige Gartenanlagen und Zimmer. Die für Colditz bedeutendste Witwe bezieht das Schloss um 1603. Sophia von Brandenburg war ehemals die Gattin von Kurfürst Christian I. Sie residiert auf Colditz bis 1622 und verschafft der Anlage eine letzte Blütezeit. Ende des 18 Jahrhunderts verliesen die Wettiner das in die Jahre gekommene Schloss Colditz für die prachtvolleren Schlösser des kurfürstlichen Hofes.

Arbeitshaus und psychiatrische Anstalt

Nach dem Auszug der Kurfürstinnen und Kurfürsten wurde Schloss Colditz Land-Arbeitshaus für Bettler und Landstreicher, aber auch für Behinderte und Kinder. Ungefähr 200 Männer und Frauen arbeiteten in der Schneiderei, in Spinnstuben und in der hauseigenen Wirtschaft und Gärtnerei. Im Gegenzug erhielten Sie Obdach, Verpflegung, einen kleinen Lohn und Kinder eine Schulausbildung.

1829 wurde das Schloss „Landesanstalt für unheilbar Geisteskranke“. Deren erster Direktor Christian August Fürchtegott Hayner setzte sich für eine humane und professionelle Pflege der Patientinnen und Patienten ein. Bis 1928 bleibt die Anstalt in Colditz bestehen.

Frühes KZ und Euthanasie

Von März 1933 bis August 1934 sperrte die nationalsozialistische Regierung Widerstandskämpfer, Sozialdemokraten und Kommunisten auf Schloss Colditz ein. 2311 Menschen wurden hier unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten und gefoltert. Zu den bekanntesten Insassen zählen der ehemalige sächsische Innenminister Hermann Liebmann und der Schriftsteller Bruno Apitz. Mit dem systematischen Aufbau der größeren Konzentrationslager, wurde das KZ Colditz im August 1934 eingestellt.

Leider endete mit dem KZ nicht die Nutzung des Schlosses durch die Nationalsozialisten. Im Januar 1938 wurde das Schloss wieder „Heil- und Pflegeanstalt“. Allerdings gab es keine Absicht, sich um das Wohlbefinden und die Pflege der Patientinnen und Patienten zu kümmern. In Wirklichkeit wurde Colditz zur Teststation für die systematische Ermordung behinderter Mitmenschen, ein Verbrechen gegen die Menschheit, welches heute als „Euthanasie“ bekannt ist. In Colditz wurden 84 Menschen durch systematisches Verhungern ermordet. Ihnen ist seit 2017 ein besonderer Gedenkort im Schloss gewidmet

Offiziergsgefangenenlager - Oflag IV C

Das Kriegsgefangenenlager Oflag IV C wurde im Oktober 1939 unter Beachtung der Genfer Konventionen von der Wehrmacht eingerichtet. Bei den Genfer Konventionen handelt es sich um ein Regelwerk zur humanen Behandlung von Gefangenen in Kriegszeiten. Oflag IV C war ein Kriegsgefangenlager für Offiziere der Alliierten Nationen: Polen, Großbritanien, Frankreich, Niederlande, Belgien, Amerika und Tschechien.

Trotz Gefangenschaft und Krieg wagten die Gefangenen spektakuläre und gefährliche Ausbruchsversuche. Diese gelten als Legenden der Militärgeschichte, welche wiederum zahlreiche Bücher, Filme und Medien inspiriert haben.