Die Burg im Mittelalter
Die Burg Colditz wurde zum ersten Mal 1046 in einer Heiratsurkunde erwähnt. Der deutsche König Heinrich III. schenkte sie seiner Frau Agnes von Poitou. Ihr Sohn wiederum, übereignete dem Grafen Wiprecht von Groitzsch die Burg Colditz für seine langjährige Unterstützung. Später übergaben die deutsche Königsfamilie die Burg Colditz an den Dienstmann Thimo I. von Colditz, welcher die Aufgabe hatte die Burg zu verwalten. Von ihm entstammt die Adelsfamilie derer von Colditz.
1404 musste die Familie von Colditz ihr Gebiet an die Markgrafen von Meißen und späteren Kurfürsten von Sachsen, die Wettinern, abgeben. Deren Kurfürstinnen und Kurfürsten nutzten das Schloss als Witwensitz und Jagdschloss. 1430 und 1504 stehen die Stadt und das Schloss in Flammen. Die Feuer zerstören Teile des Schlosses.
Jagdschloss und Witwensitz
1506 ließ Kurfürst Friedrich der Weise das Schloss im Stil der Renaissance wieder aufbauen. Der Künstler Lucas Cranach der Ältere stattete das Schloss mit Gemälden aus und entwarf die Inneneinrichtung. Friedrich ließ außerdem 1523 den Colditzer Tiergarten als sein persönliches Jagdgebiet anlegen.
Nach seinem Tod 1525 wurde das Schloss oft nach Belieben der wechselnden Herrschaften umgestaltet. So entstanden über das nächste Jahrhundert prächtige Gartenanlagen und Apartements. Die für Colditz bedeutendste Witwe bezog das Schloss um 1603. Sophia von Brandenburg war die ehemalige Gattin von Kurfürst Christian I. Sie residierte auf Colditz bis 1622 und verschaffte der Anlage eine letzte Blütezeit. Ende des 18 Jahrhunderts verliessen die Wettiner das in die Jahre gekommene Schloss Colditz für die prachtvolleren Schlösser des kurfürstlichen Hofes.
Arbeitshaus und psychiatrische Anstalt
Nach dem Auszug der Kurfürstinnen und Kurfürsten wurde Schloss Colditz Land-Arbeitshaus für Bettler und Landstreicher und Waisenkinder. Ungefähr 200 Männer und Frauen arbeiteten in der Schneiderei, in Spinnstuben und in der hauseigenen Wirtschaft. Im Gegenzug erhielten Sie Obdach, Verpflegung und die Kinder eine Schulausbildung.
1829 wurde das Schloss „Landesanstalt für unheilbar Geisteskranke“. Deren erster Direktor Christian August Fürchtegott Hayner setzte sich für eine humane und professionelle Pflege der Patientinnen und Patienten ein. Als bekanntester Patient gilt Ludwig Schumann, Sohn von Clara und Robert Schumann. Er litt an Schizophrenie und verbrachte 29 Jahre seines Lebens in der Anstalt, wo er auch 1899 verstarb. Bis 1928 bleibt die Anstalt in Colditz bestehen.
Frühes KZ und Euthanasie
Von März 1933 bis August 1934 sperrte die nationalsozialistische Regierung Widerstandskämpfer, Sozialdemokraten und Kommunisten auf Schloss Colditz ein. 2311 Menschen wurden hier unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten und gefoltert. Zu den bekanntesten Insassen zählen der ehemalige sächsische Innenminister Hermann Liebmann und der Schriftsteller Bruno Apitz. Im August 1934 wurde das KZ bereits wieder geschlossen und die Häftlinge in das KZ Sachsenburg verlegt.
Im Januar 1938 wurde das Schloss wieder „Heil- und Pflegeanstalt“. Allerdings gab es keine Absicht, sich um das Wohlbefinden und die Pflege der Patientinnen und Patienten zu kümmern. In Colditz wurde versucht schwerbehinderte Menschen durch systematisches Verhungernlassen und gezielte Medikamentegabe zu töten. Diese Krankenmorde gelten heute als Anfang der "Euthaniasie" im Dritten Reich. In Colditz wurden 84 Menschen ermordet. Ihnen ist seit 2017 ein besonderer Gedenkort im Schloss gewidmet.
Offiziergsgefangenenlager - Oflag IV C
Das Kriegsgefangenenlager Oflag IV C wurde im Oktober 1939 eingerichtet, die Inhaftierten unterlagen wie bei fast allen Kriegsgefangenlagern der Genfer Konvention. Bei dieser handelt es sich um ein Regelwerk zur humanen Behandlung von Gefangenen in Kriegszeiten. Oflag IV C war ein Kriegsgefangenlager für Offiziere der Alliierten Nationen: Polen, Tschechoslowakei, Großbritanien, Frankreich, Niederlande, Belgien und den USA.
Ab 1940 wurde Colditz ein Sonderlager für Mehrfachausbrecher, Prominete und Saboteure. Inhaftiert waren u.a. hohe polnische und französische Admiräle sowie Angehörige der Königsfamilie von England. Trotz Gefangenschaft und Krieg wagten die Gefangenen spektakuläre und gefährliche Ausbruchsversuche. Diese gelten als Legenden der Militärgeschichte, welche wiederum zahlreiche Bücher, Filme und Medien inspiriert haben.